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Was ist Ballooning? Und warum sagt man in Deutschland „stempeln“

Wer Zeichnungen für die Qualitätssicherung vorbereitet, stößt auf zwei Wörter für dieselbe Tätigkeit: Ballooning und Stempeln. Das eine kommt aus dem Englischen und beschreibt, wie das Ergebnis aussieht, das andere aus der deutschen Werkstatt und beschreibt, wie es früher gemacht wurde. Dieser Beitrag erklärt beides – und was ein Ballon eigentlich leistet.

Ballooning in einem Satz

Beim Ballooning bekommt jedes prüfrelevante Merkmal einer technischen Zeichnung – jedes Maß, jede Toleranz, jeder Form- und Lagetoleranzrahmen, jede Oberflächen- und Gewindeangabe – einen fortlaufend nummerierten Kreis, den Ballon. Die Nummer ist kein Schmuck: Sie ist der Schlüssel, mit dem Zeichnung, Prüfplan, Messprotokoll und Messmaschinenprogramm dasselbe Merkmal meinen. Ohne sie steht in der Messliste „Bohrung 20,008“ – und niemand weiß, welche der vier Bohrungen gemeint war.

Woher das „Stempeln“ kommt

Die deutsche Bezeichnung stammt aus der Zeit der Papierzeichnung. Der Prüfer ging mit einem Nummernstempel – im Werkstattjargon „Kartoffelstempel“, weil die früheren Modelle an einen Kartoffeldruck erinnerten – die Zeichnung durch und setzte neben jedes Maß einen Abdruck mit der nächsten Nummer. Der Abdruck war rund, die Nummer stand in der Mitte: Der Prüfstempel sah aus wie ein Ballon, lange bevor jemand ihn so nannte. Daher „Zeichnung stempeln“, „Prüfstempel“ und „Stempelprogramm“ für die Software, die das heute übernimmt. Im Englischen setzte sich das Bild vom Ballon durch: ballooned drawing, bubble drawing, ballooning software. Gemeint ist immer dasselbe.

Was ein Ballon referenziert

Ein Ballon ist ein Verweis. Auf der anderen Seite des Verweises steht die Merkmalsliste – im Englischen Bill of Characteristics –, in der zu jeder Nummer Sollwert, Toleranz, Grenzmaße und Prüfmittel stehen. Aus der Merkmalsliste wird der Prüfplan, und aus dem Prüfplan mit eingetragenen Messwerten der Erstmusterprüfbericht: nach VDA Band 2 oder PPAP als Messblatt, in der Luftfahrt als AS9102 Form 3. Wer ein Messmaschinenprogramm schreibt, führt dieselben Nummern als Merkmalsnamen, damit die Messwerte später ohne Umweg in den Bericht fallen. Die Nummer auf der Zeichnung ist also der Anfang einer Kette, die bis zum unterschriebenen Bericht reicht.

Was alles einen Ballon braucht

Die häufigste Frage von Einsteigern – und die häufigste Fehlerquelle. Einen Ballon bekommt jedes Merkmal, das der Kunde prüfen könnte: Längenmaße mit und ohne eigene Toleranz (für die ohne gilt die Allgemeintoleranz aus dem Schriftfeld, und sie werden trotzdem gemessen), Durchmesser, Radien, Fasen, Winkel, Gewinde, Form- und Lagetoleranzen, Oberflächenangaben. Je nach Kunde auch Angaben aus dem Schriftfeld wie Werkstoff, Härte oder Beschichtung – sie werden nicht gemessen, aber nachgewiesen, und brauchen dafür eine Nummer. Ein Maß, das auf der Zeichnung steht und keinen Ballon hat, wird beim Kundenabgleich als Lücke gefunden.

Nummerieren: Regeln, die sich bewährt haben

Eine Nummer je Merkmal. Ein Maß mit seiner Toleranz ist ein Merkmal; ein Toleranzrahmen mit zwei Bezügen ist ein Merkmal. Wer ein Maß in zwei Ballons aufteilt, bekommt zwei Messwerte für eine Sache.

Fortlaufend, ohne Lücken. Die Reihenfolge darf nach Ansicht gehen, nach Leserichtung, nach Fertigungsfolge – Hauptsache, sie ist nachvollziehbar und lückenlos. Manche Kunden schreiben eine Startnummer oder ein Präfix vor; das gehört in die Abstimmung vor dem Stempeln.

Der Ballon steht neben dem Merkmal, nicht darauf. Er darf weder das Maß noch andere Ballons verdecken. Bei dichten Zeichnungen ist das die eigentliche Handarbeit.

Ein neuer Zeichnungsindex, eine neue Nummerierung. Wenn die Zeichnung sich ändert, ändert sich die Merkmalsliste. Die alte Nummerierung weiterzuführen und „Lücken zu stopfen“ führt dazu, dass Merkmal 37 im Bericht zu Index C etwas anderes bedeutet als im Bericht zu Index D.

Von Hand oder automatisch

Drei Wege führen zur nummerierten Zeichnung. Der Stempel auf Papier – heute selten, aber nicht ausgestorben. Der CAD-Viewer mit Klick je Merkmal: Der Prüfer setzt am Bildschirm einen Ballon nach dem anderen; das ist sauberer als Papier, aber bei 150 Merkmalen immer noch eine halbe Tagesarbeit, und das Übersehen bleibt das Risiko. Und die automatische Erkennung: Die Software liest die Zeichnung, findet die Merkmale, nummeriert sie und schreibt die Merkmalsliste gleich mit heraus. Bei einer Vektor-PDF aus dem CAD sind die Maße als Text enthalten und lassen sich direkt lesen; ein Scan oder eine TIFF-Datei braucht vorher eine Texterkennung. DrawingStamp Pro arbeitet nach dem dritten Weg – wie das im Einzelnen aussieht, mit Formaten und ehrlichen Grenzen, steht auf der Seite Zeichnung stempeln; englischsprachige Leser finden dieselben Inhalte unter Ballooning drawings.

Deutsch und Englisch: dieselbe Sache, andere Wörter

Wer mit Kunden in beiden Sprachen arbeitet, braucht die Übersetzungstabelle im Kopf:

Zeichnung stempeln – ballooning, to balloon a drawing. Prüfstempel, Ballon – balloon, bubble. Gestempelte Zeichnung – ballooned drawing, bubble drawing. Merkmal – characteristic. Merkmalsliste – bill of characteristics. Prüfplan – inspection plan. Erstmusterprüfbericht (EMPB) – first article inspection report (FAIR), initial sample inspection report (ISIR). Erstbemusterung – initial sampling, first article inspection (FAI). Messmittel, Prüfmittel – gauge, measuring equipment. Grenzmaße – limits, upper and lower limit. Allgemeintoleranz – general tolerance.

Warum das alles wichtig ist

Ballooning wirkt wie der unwichtigste Schritt in der Qualitätssicherung – bloßes Nummerieren. Tatsächlich entscheidet er darüber, ob alles Folgende zusammenpasst: Ob der Messwert zum Maß findet, ob der Kunde den Bericht lesen kann, ob die Messmaschine dieselbe Sprache spricht wie die Zeichnung. Wer hier vollständig und nachvollziehbar arbeitet, hat den Erstmusterprüfbericht zur Hälfte fertig, bevor das erste Teil gemessen ist. Was die Software beim Bericht selbst noch übernimmt, steht auf der Seite zur EMPB-Software.

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